Ten Wall's homophobe Aussage und seine Auswirkungen - Ein Kommentar

Über den lithauischen Künstler Marijus Adomaitis, der eher unter den Pseudonymen Ten Walls und Mario Bassanov bekannt ist, gab es in der Vergangenheit eigentlich nichts schlechtes zu berichten. Ganz im Gegenteil. Wer sich noch an das letzte Jahr erinnern mag, dem fällt sicherlich sein sommerüberdauernder Megahit 'Walking With Elephants' promt ein, der in der ein oder anderen Nacht, für meinen Geschmack, auch mal zu oft gespielt wurde. Seis drum. Sein Hit wurde schlussendlich millionenfach verkauft und er selbst war auf allen ganz großen Festivals der Welt zu finden. Aus seiner Sicht, ein mehr als gelungenes Jahr.
Dieses Jahr schien es nun so, als würde er mit seiner EP 'Sparta' genau auf das gleiche Pferd aufspringen wollen. Frei nach dem Motto:"Never change a winning team", produzierte er nahezu zwei identische Tracks, die sich lediglich in ihrem Arrangement voneinander unterscheiden. Beide erschienen kalendarisch wieder einmal perfekt getimt kurz vor dem Festivalsommer. Der Fortsetzung des letzten Jahres stand also nichts im Wege.

Wäre da nicht das große Aber...

Schließlich lies sich Marijus zu einer sagen wir mal, nicht gerade sehr intelligenten Aussage auf Facebook hinreisen, in der er Homosexuelle mit psychisch kranken Straftätern verglich. Das er damit eine gerechtfertigte Welle der weltweiten Empörung ausrief, war ihm verwunderliche Weise beim Verfassen des Posts nicht bewusst. Zwar nahm er das Kommentar prompt zurück, doch es war dann schlussendlich zu spät zur Einsicht.

Stand heute (08.06.2015) wurde er bei seiner Booking Agentur 'Coda Music Agency' vor die Tür gesetzt und bei einigen bekannten Festivals wie das 'Sonar', 'Creamfields' und das 'Pitch Festival' als Headliner gestrichen. Auch 'Phonika Records' zog seine neuste EP bis auf weiteres aus dem Verkehr. Er selbst gab auf Facebook fast zeitgleich bekannt, dass er Zeit zum Nachdenken bräuchte und alle Veranstaltungen daher abgesagt hätte. Wer jetzt was zuerst gemacht hat, spielt in Anbetracht der Sache eigentlich keine Rolle. Es ist nicht mehr und nicht weniger eine schlüssige Konsequenz, auf das was passiert ist.

Ich bin mir absolut nicht sicher wie Marijus zu dieser Annahme kam, aber in Bezug auf die ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), galt Homosexualität tatsächlich bis 1992 als psychische Krankheit. Das dies nicht stimmt, dürfte jedem gesunden Menschen klar sein und wurde wissenschaftlich offiziell vor 23 Jahren klar gestellt. Was ich damit sagen möchte ist dies: Wie kann ein international agierender Künstler der so im Rampenlicht steht, zu solch einer Annahme kommen? Hat er ein persönliches Problem damit?
Wir wissen es nicht und wer weiss ob er jemals überhaupt dafür eine verständliche und ehrliche Erklärung abgeben wird. Aber ihm selbst hat er damit keinen Gefallen getan.
Mir persönlich ist der Künstler vor gut einem Jahr erstmals bei dem 'Slices Feauture' auf 'Electronic Beats' negativ aufgefallen. Negativ im Hinblick auf seine abgehobene und verurteilende Art gegenüber anderen Künstlern, die (Zitat Minute 3:42) ihn und seinen Sound lediglich kopieren. Wahrscheinlich ist er ein Mensch, der gerne provoziert bzw. sich besser als andere sieht. Womöglich ist ihm der letztjährige Erfolg wohl auch etwas zu Kopf gestiegen. Wer weiß.

Trotz all der (wenn auch gerechtfertigten) Ablehungsposts die nun auf Facebook erscheinen, sollte man aber nicht vergessen, dass wir alle Menschen sind. Und Menschen sind keine fehlerfreien Wesen. Ganz im Gegenteil. Es vergeht tatsächlich kein Tag an dem wir keine Fehler machen. Mal eher bewusst, mal eher unbewusst. Darüber hinaus glaube ich fest an das Gute im Menschen bzw. daran, dass man sich ändern kann. Natürlich bin ich persönlich riesig enttäuscht von ihm. Nicht nur musikalisch was er dieses Jahr releast hat, sondern vor allem persönlich. Dennoch bin ich gewillt, ihm in Zukunft wieder eine Chance zu geben. Dafür muss aber erstmal etwas Zeit vergehen...